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Dettingen an der Iller

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Geschichte

Interessantes aus unserer Geschichte

Feuerwerk

Aufgrund einer im Archiv des Klosters St. Gallen befindlichen Urkunde aus dem Jahre 876 kann unsere Gemeinde auf eine belegbare Geschichte von mehr als 1100 Jahren zurückblicken.

Die Endsilbe –ingen lässt darauf schließen, dass es den Wohnplatz Dettingen an der Iller bereits seit der sog. Landnahmezeit existiert, d. h. als die Alemannen/Schwaben nach der Völkerwanderung im 3./4. Jahrhundert nach Christus auch in unserer Gegend sesshaft geworden.

Vom 11. Jahrhundert bis zum Jahre 1810 gehörte unser Dorf zur Herrschaft Kellmünz. Wegen der strategisch günstigen Lage haben schon die Römer zu Zeiten von Kaiser Diokletian (um 300 n. Chr.) in Kellmünz eines ihrer militärisch wichtigsten Kastelle (Coelius mons) in Süddeutschland errichtet. Hier waren bis zu 300 Soldaten stationiert.
Die Herrschaft Kellmünz bestand zu jener Zeit aus den Ortschaften Kellmünz, Filzingen, Ober- und Unterdettingen sowie Höfen in Pleß und Oberroth.

Sicheres Leben unter den Staufern

Die Herrschaft Kellmünz stand dem Grafen Rudolf von Bregenz zu und ging 1167 durch Erbfolge an den Pfalzgrafen Hugo von Tübingen über. 1342 ist das alte staufische Adelsgeschlecht der Ritter von Rechberg mit der Herrschaft Kellmünz belehnt. Die Ritter von Rechberg, die ihre Stammburg in Hohenrechberg bei Donzdorf (Schwäbisch Gmünd) hatten, übten bis 1789 die Herrschaftsrechte aus. Da die Ritter von Rechberg ihre Macht nicht missbrauchten, ließ es sich im Dettingen jener Zeit verhältnismäßig gut und sicher leben.

Nach alten Aufzeichnungen gab es 1353 in Unterdettingen 14 und in Oberdettingen 6 Haushaltungen. Die Haushaltungen in der damaligen Zeit umfassten jedoch mit der Großfamilie und dem Gesinde durchschnittlich mindestens 20 Personen.
Die Lehensgaben = Vieh, Getreide, Gänse, Hühner, Eier u. a. mussten von den leibeigenen Bauern jedes Jahr nach der Ernte in Kellmünz abgeliefert werden.

Nach der spätestens im 13. Jahrhundert eingetretenen Teilung in Ober- und Unterdettingen entwickelten sich beide Orte zu eigenen Gemeinden. Im 18. Jahrhundert besaß jede Gemeinde einen Amann, Bürgermeister und Gemeindedeputierte. Dabei waren die Amänner herrschaftliche Beamte, die Bürgermeister dagegen für die Finanzen der Gemeinde zuständig. Vor 1810 gehörten die Ortsteile Buchau und Kleinkellmünz zur Gemeinde Kellmünz.

Schlimme Zeiten im Dreissigjährigen Krieg und durch Soldateneinquartierungen

Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) brachte viel Leid in unser Dorf als schwedische Soldaten und mit ihnen Verbündete hier Quartier bezogen, die Bevölkerung aufs Ärgste drangsalierten, plünderten und Häuser in Brand steckten (u. a. Batzenhöfe und das Kellmünzer Schloss). Infolge anschließender Hungersnot und schlimmer Seuchen (besonders die Pest) ging die Zahl der Einwohner unseres Dorfes auf unter 100 zurück. Auch vor der Geistlichkeit machte die Pest nicht Halt. Innerhalb von 3 Jahren raffte diese grausame Seuche 4 Unterdettinger Pfarrer dahin.

Im Verlauf des Spanischen Erbfolgekrieges quartierten sich im Jahr 1704 eine Vielzahl unter französischem Befehl stehende Soldaten in Dettingen ein. Sie drangsalierten die Bevölkerung und beuteten sie bis aufs Äußerste aus.

1789 verkaufte Maximilian Emanuel von Rechberg die Herrschaft Kellmünz an Reichsfürst Johann Nepomuk zu Schwarzenberg.

1800 sind bei einer schlimmen Überschwemmung durch die Iller mehrere hölzerne Häuser und mehrere Morgen Acker des Weilers Buchau weggeschwemmt worden. Und es sollte noch schlimmer kommen. Schon bald darauf war das Illertal Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen kaiserlichen und französischen Truppen. Wieder bezogen viele unter französischem Befehl stehende Soldaten in Dettingen Quartier. Unter Androhung von übler Gewalt wurden die Dettinger gezwungen, die vielen Soldaten sowie ihre Pferde und Zugtiere zu verpflegen. Nach Abzug dieser Soldateska herrschte schlimmste Hungersnot und größter Futtermangel.

5 Jahre beim Königreich Bayern

Weil sich das Königreich Bayern im Rheinbund mit Napoleon verbündet hatte, teilte Napoleon 1806 die Herrschaft Kellmünz dem Königreich Bayern zu. Und zwar dem Oberamt Illereichen. Unser Dorf gehörte dadurch knapp 5 Jahre zum Königreich Bayern. Während dieser Zeit sind zahlreiche Dettinger Männer zwangsrekrutiert worden und in Napoleons Kriegen zu Tode gekommen.

1810 war erneut ein ganz schlimmes Jahr für unsere Vorfahren. In Unterdettingen befanden sich 2789 Soldaten und 109 Offiziere sowie 344 Pferde. In Oberdettingen 2039 Soldaten und 83 Offiziere sowie 137 Pferde. Für ihre Verpflegung musste das Letzte abgegeben werden. Dettinger Bauern mussten mit ihren Fuhrwerken von Auswärts Verpflegung herantransportieren. Aufgrund von brutalen Übergriffen werden die Zustände in alten Aufzeichnungen 'Hölle auf Erden' bezeichnet.

1810 Zuteilung zum Königreich Württemberg

Der Pariser Staatsvertrag im Jahre 1810 brachte das Ende der Zugehörigkeit zur Herrschaft Kellmünz. Die Teile der ehemaligen Herrschaft Kellmünz, die links der Iller lagen, wurden dem Königreich Württemberg zugesprochen, die rechts der Iller liegenden Orte verblieben beim Königreich Bayern. Auf beiden Seiten der Iller wurden Zollhäuser mit Schlagbäumen errichtet.
Die Zuordnung von Unter- und Oberdettingen, Kleinkellmünz und Buchau zu Württemberg (Oberamt Biberach) und die damit verbundene Teilung der ehemaligen Herrschaft Kellmünz brachte schwere wirtschaftliche Nachteile mit sich. Nun musste beim Warenverkehr über die Illergrenze hinweg ein Zoll bezahlt werden. Wegen des hohen Grenzzolls kamen die in Jahrhunderten gewachsenen guten Geschäftsbeziehungen von diesseits und jenseits der Iller fast vollkommen zum Erliegen. Besonders die Dettinger Mühlen büssten dadurch ihre besten Kunden ein. Erst infolge der Gründung des Deutschen Zollvereins im Jahre 1830 wurden die an der Iller eingerichteten Zollhäuser wieder beseitigt.

Die Herrschaften Kellmünz und Illereichen sind im Jahr 1833 von Johann Josef von Schwarzenberg an den königlichen bayerischen Staatsminister Graf von Montgelas verkauft worden.

Lebensunterhalt der Einwohner im 19. Jahrhundert

Gemäß einem Schätzungsprotokoll des königlichen Finanzministeriums vom 13. Dezember 1834 üben in Unterdettingen 4 Leinenweber ihr Gewerbe aus, wovon 3 im Nebenberuf noch Feldbau und Viehzucht betreiben. Ein Lohnmetzger und 1 Rechenmacher sind noch Taglöhner. Der Schäfer besitzt eigene Schafe und ein Schuhflicker lebt hauptsächlich von Almosen. Das Schuhmacherhandwerk ist überbesetzt. Von den 4 Schustern verdienen 2 ihren Lebensunterhalt mit Feldbau und Viehzucht, 2 haben nur einen geringen Verdienst. Einer von 3 Branntweinbrennern ist noch Brotbäcker und Metzger. Geringen Verdienst haben auch 2 Maurer, 2 Schneider (einer ist gleichzeitig noch Söldner), 1 Siebmacher, 1 Wagner, 3 Zimmerleute, 1 Weber, 3 Brotbäcker (1 ist gleichzeitig noch Metzger und hat daher einen ordentlichen Verdienst), 2 Küfer, 2 Schreiner, 2 Färber und 2 Müller. Gut verdienen 2 Wirte, 1 Bleicher, 1 Schmied und 2 Metzger. 3 Kleinhändler mit Spezereien betreiben ihre Ladengeschäfte nur als Nebenerwerb, ebenso ein Ölmüller seine Ölmühle (1835 nicht mehr in Betrieb). Außerdem wohnen in Unterdettingen noch 16 Bauern, 9 Taglöhner, 9 Söldner, 1 Hirte und 1 Schäfer.
In Oberdettingen verdienen wenig: 3 Maurer (noch Feldbau und einer eine Wirtschaft), 1 Schuhmacher, 1 Schneider, 1 Wagner, 1 Ölmüller, 1 Zimmermann, 1 Nagelschmied, 2 Brotbäcker, 1 Holzdreher, 1 Küfer, 1 Metzger, 1 Schreiner, 1 Schlosser, 1 Bild- und Steinhauer und 2 Weber, von denen außerdem Schneider, Schlosser und Steinhauer alle noch Feldbau und Viehzucht betreiben. Ordentlich verdienen 1 Rotgerber, der mit einem Gehilfen arbeitet und 2 Wirte. Geringen Absatz und geringes Betriebskapital haben 2 Kleinhändler mit Spezereien. Außerdem wohnen dort noch 10 Bauern und 12 Söldner; einer von ihnen ist gleichzeitig noch Flößer.
In Buchau wohnen 1 Schreiner, 1 Maurer, 2 Zimmerleute, 1 Handelsmann, 1 Rechenmacher und 1 Weber, aber auch noch 3 Söldner, 5 Taglöhner, 1 Musikant;
in Kleinkellmünz 2 Weber, 1 Färber, 1 Essighändler, 1 Bleicher, dazu 2 Söldner und 4 Taglöhner.

Aus dieser Übersicht und Aufzählung der Gewerbetreibenden geht hervor, dass seinerzeit die meisten Handwerker zur Sicherung ihres Lebensunterhalts noch auf einen Nebenerwerb angewiesen sind. Und zwar entweder als Taglöhner oder mit einem zusätzlichen Gewerbe. Viele Gewerbetreibende bewirtschafteten auch noch ein kleines landwirtschaftliches Anwesen.

Einwohner im Jahr 1837

1837 ergab eine Volkszählung folgende Einwohnerzahlen: Unterdettingen: 317, Oberdettingen: 291, Buchau: 77, Kellmünzweiler = Kleinkellmünz: 66, Herrenmühle: 21, Werthe (= Haus an der Iller): 8.

Nach dem Übergang des 'Ritterguts Dettingen' im Jahr 1810 an Württemberg wurde eine Schultheißerei mit Sitz Unterdettingen eingerichtet, zu der auch Oberdettingen gehörte.

Kirchen und Pfarreien

Die Kirchen und Pfarreien in Ober- und Unterdettingen sind erstmals 1275 nachweisbar. Das Patronat über beide Kirchen war stets Teil der Ortsherrschaft. Infolgedessen ist sie dann im Jahr 1833 auf die 'Krone Bayerns' übergegangen, der sie bis zum Jahr 1919 zustand.
Nachdem während des 30-jährigen Krieges die Pfarrei Unterdettinger mehrfach verweist war, ließ die Herrschaft sie um 1640 nicht mehr neu durch den Bischof besetzen, sondern verwies die Einwohner von Unterdettingen in die Pfarrei Oberdettingen. Die frühere Pfarrkirche in Unterdettingen hat seither die Stellung einer Kapelle. Kleinkellmünz und Buchau kamen erst nach dem Jahr 1810 zur Pfarrei Oberdettingen. Zur Pfarrei Unterdettingen gehörten in früherer Zeit auch die Bewohner der Ortschaft Bollsberg.

Ausnutzung der Kraft des Wassers

Die Kraft des Wassers auszunützen, verstanden die Dettinger schon seit dem frühen Mittelalter. Auf einer Urkunde aus dem Jahr 1517 sind die "Herrenmühle" und die "Wolfsmühle" erwähnt. Im 19. Jahrhundert waren an den durch Dettingen fließenden Bächen 7 Gewerbebetriebe: Getreidemühlen, eine Gerberei und ein Hammerwerk in Betrieb.

Helle Köpfe und 'gutes Sitzfleisch'

Und dass die Dettinger schon zur damaligen Zeit helle Köpfe waren, beweist die Tatsache, dass 1893 der gebürtige Dettinger Paul Vetter an der Universität Tübingen zum ordentlichen Professor für Theologie berufen wurde.

Aber nicht nur beim Studieren, sondern auch beim Wirtshaussitzen bewiesen die Dettinger Männer schon immer ein gutes Sitzfleisch. 1895 musste daher der Gemeinderat beschließen, dass ein Polizeidiener eingestellt wird, zu dessen Aufgaben es auch gehörte, die Einhaltung der Polizeistunde gewissenhaft zu kontrollieren.

Korbflechterei und Illerflösserei

Um 1860 begann sich in unserem Dorf die Korbflechterei zu einem blühenden Gewerbe zu entwickeln. In früherer Zeit wurden die Dettinger oft als 'Greaddamachr' bezeichnet. Auf dem im Jahr 2003 neugestalteten Rathaus-Vorplatz ist daher eine von dem renommierten Bildhauer Dr. Henselmann (München) geschaffene Figur eines Korbflechters (Greaddamachr) aufgestellt worden. Den wichtigen Rohstoff für die Korbflechter, die Weiden, konnten die Korbflechter in reichlichem Maße aus dem nahegelegenen Illergries holen. Durch den Bau der Bahnlinie Ulm-Memmingen (eröffnet 1862) wurde zwar das Illergries etwas dezimiert, aber die neue Verkehrsverbindung brachte doch große Vorteile.

Der leichtere Transport durch die Eisenbahn bedeutete gleichzeitig den langsamen, aber sicheren Niedergang der Illerflößerei.
Noch im Jahre 1884 fuhr der Dettinger Gesangverein mit 40 Personen auf einem Floß zum 20. Schwäbischen Sängerfest nach Ulm. Die Fahrt dauerte 4 ½ Stunden, soll aber wegen der Gaudi auf dem Floß sehr kurzweilig gewesen sein.
Die beiden letzten Flöße sind im Jahr 1918 die Iller hinunter gefahren.

Hochwasserkatastrophe durch die wilde Iller

1910 suchte eine schwere Hochwasserkatastrophe das Illertal heim. Dabei riss das Hochwasser auch die alte hölzerne Illerbrücke mit. In den folgenden 17 Jahren diente eine Behelfsbrücke als Übergang.

Bau einer grossen Kirche und eines Pfarrhauses

Zu dieser Zeit gefährdeten Meinungsverschiedenheiten über die Festlegung des Standortes für die neu zu erbauende Pfarrkirche ernsthaft die ansonsten herrschende Eintracht zwischen Unter- und Oberdettingen. Schließlich konnte man sich doch einigen und erbaute 1912/1913 unter der Regie von Pfarrer Alois Eisenbarth ein großes und schmuckes Gotteshaus.
Weil beim Bau der Pfarrkirche 'über 70 000 Ziegelsteine übrig' bleiben, entschließt sich der Kirchengemeinderat kurzfristig zum Bau eines neuen Pfarrhauses. Wie in der Pfarrchronik zu lesen ist, 'wohl kaum dem Pfarrer zu lieb'. Die Gemeinde benötigt nämlich dringend eine neue Lehrerwohnung, wofür das alte Pfarrhaus geeignet scheint. Der Oberlehrer (Michler) weigert sich jedoch, in das alte Pfarrhaus zu ziehen mit der Begründung: 'Was dem Pfarrer nicht gut genug ist, genügt auch mir nicht.'
Als das neue Pfarrhaus bezugsfertig ist, erwirbt die Gemeinde das alte. Dieses bleibt leer, bis im Ersten Weltkrieg russische Kriegsgefangene darin untergebracht werden. Die Kriegsgefangenen helfen den Frauen, deren Männer eingezogen sind bei Stall- und Feldarbeiten. Der Ortspfarrer schildert sie in der Pfarrchronik als willig und 'na-mentlich sehr religiös'. An den Sonntagen seien sie von ihrer Wachmannschaft zur Kirche geführt worden und hätten sich dort 'recht erbaulich betragen'.

Der 1914 ausgebrochene 1. Weltkrieg forderte auch von den Dettinger Männern und Familien einen hohen Blutzoll, 48 Männer fielen, 7 wurden als vermisst gemeldet.

Verein für Krankenpflege/Ordensschwesternstation

Für den Bau eines Illerkanals und des Illerkraftwerkes hatte die Gemeinde an die OEW (= Oberschwäbische Elektrizitätswerke) Grundstücke verkaufen können. Mit dem dabei erlösten Geld baute die Gemeinde 1925 das alte Pfarrhaus zu einem für damalige Verhältnisse vorbildlichen Schwesternhaus um und rief einen Verein für Krankenpflege ins Leben. Das Kloster Sießen eröffnete eine Schwesternstation.

1926 - 28 Millionen-Baumassnahmen der OEW

Mit einem großen materiellen, arbeitskräftemässigen und finanziellen Aufwand wurden im Auftrag der OEW = Oberschwäbische Elektrizitätswerke = Keimzelle der EVS/EnBW in den Jahren 1926 – 28 ein von der Iller abgeleiteter Wasserkanal, ein Stausee und ein Wasserkraftwerk gebaut. Viele Dettinger fanden dabei in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit Arbeit.

Als der Illerkanal ausgebaggert wurde, kamen 300 m südlich der heutigen Illerbrücke die Reste einer aus der Römerzeit stammenden Brücke zum Vorschein.

Im Jahr 1932 wurde unserer Gemeinde mit seinerzeit 1032 Einwohnern der amtliche Namen 'Dettingen an der Iller' erteilt.

1936 wurde im Schwesternhaus erstmals ein Kindergarten eingerichtet.

Auch der 2. Weltkrieg brachte viel Leid in Dettinger Familien. 56 Männer fielen, 27 werden vermisst.

Bombenangriff wenige Tage vor Kriegsende

Im April 1945 warfen amerikanische Flugzeuge Bomben über Dettingen ab, wobei 6 Einwohner sowie 12 Soldaten und Evakuierte ums Leben kamen.

Nach dem Kriegsende wurde die Iller wieder zur Grenze. Die württembergische Seite des Illertales gehörte zur französischen, die bayerische Seite des Illertales zur amerikanischen Besatzungszone. Auf legalem Wege konnte man nur durch einen mit vielen Formalitäten verbundenen Passierschein über die Iller kommen.

Neue Aktivitäten nach dem Krieg

Sobald die Besatzungsmächte es erlaubten, erwachte in Dettingen wieder ein reges Vereinsleben. Bereits im Herbst 1947 konnte der Sportverein seinen neuen Sportplatz einweihen, der in vielen freiwilligen Arbeitsstunden ohne Einsatz von Maschinen entstanden war. Beflügelt durch ihren neuen schönen Sportplatz errangen unsere Fußballer 1949 die Meisterschaft in der A-Klasse 'Riß', die für damalige Verhältnisse 'groß' gefeiert worden ist.

1951 wurde mit dem Bau der gemeindlichen Wasserversorgung begonnen. Sämtliche Arbeiten zur Verlegung der Wasserleitungsrohre führte die Bevölkerung in Handarbeit aus. Kein Bagger und keine Raupe waren im Einsatz.

Bis zum Jahr 1955 gab es noch getrennte Markungen für Unter- und Oberdettingen.
An der früheren Gemarkungsgrenze zwischen Unter- und Oberdettingen konnte 1963 das neue Rathaus in Benützung genommen werden.

Große Sorgen wegen Planung einer riesigen Sendeanlage

Im März 1968 demonstrierten viele Illertäler gemeinsam erfolgreich durch eine groß angelegte Protestkundgebung auf dem Dettinger Sportplatz gegen eine geplante gigantische Senderanlage der 'Deutschen Welle' im Illertal.
Geplant waren: 2 sternförmig angelegte Sendekomplexe, die 5 km auseinander liegen. Jeder Senderkomplex sollte aus einem Betriebsgebäude und drei 1 500 m langen und 120 m breiten Antennenstraßen bestehen. In den vorerst 6 Antennenstraßen sollten jeweils 96 Stahlgittertürme und Masten von 35 – 125 m Höhe aufgebaut werden.

Autobahn A7

Im November 1972 war die sog. Verkehrsfreigabe für das 25 km lange Autobahnteilstück Altenstadt – Memmingen/Süd der Autobahn A 7. Der Bau dieser Autobahn bedeutete einen schweren Einschnitt in unsere Gemeindeflur. Als Entgegenkommen sind auf unserer Gemarkung beidseitig Autobahntank- und –rastanlagen platziert worden.
Zwei Jahre später war der sog. Autobahn-Zubringer, die L 299 fertiggestellt. Leider ist die Fortführung dieser geplanten Ost-West-Verbindung noch nicht realisiert.

Große Sorgen wegen KKW-Standort und Selbständigkeit

Große Besorgnis erregte bei den Dettingern und benachbarten Bewohnern des Illertales, dass nach einem neuen sog. Vorsorgeplan des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums auf unserer Gemarkung ein Standort für ein Kernkraftwerk vorgesehen ist.

Nach Abschluss der Gemeindereform im Dezember 1974 verblieben von den ehemals 135 selbständigen Gemeinden des Landkreises Biberach noch 45 selbständig, darunter auch unsere Gemeinde.

Großes Fest zur 1100-Jahr-Feier

Im August 1976 feierte die Dettinger Bevölkerung mit vielen Gästen mit einem 8 Tage dauernden Fest und einem aufsehenerregenden historischen Festzug das 1100-jährige Bestehen unseres Dorfes.

Im Dezember 1976 spielte unsere Musikkapelle aus Anlass des 10jährigen Amtsjubiläums von Ministerpräsident Dr. Filbinger ihm auf Vermittlung von Landrat Dr. Steuer als Vertreter des Landkreises Biberach in der Villa Reitzenstein ein Jubiläumsständchen.

Besorgnis wegen Grundwasserentnahme

Als bekannt wird, dass die Landeswasserversorgung aus dem Illertal viel Grundwasser als Trinkwasser für den Raum Stuttgart abpumpen will, bereitet dies den Dettingern und ihren Nachbarn ab Herbst 1979 erneut große Sorgen. Ein Pumpversuch, der bis Februar 1980 dauert zeigt gravierende Probleme auf.

Gute Wohn- und Lebensqualität

Ab Anfang der 1950er Jahre hat die Gemeinde mit dem Aufbau einer guten öffentlichen Infrastruktur = Wasserversorgung, Straßen, Wege, Abwasserentsorgung begonnen. Mit Ausgaben von über 40 Millionen € im Zeitraum 1986 – 2008 ist diese zugunsten der Einwohner auf einen anerkannt überdurchschnittlichen Stand gebracht worden. Die Zunahme der Einwohner um über 50 % von Mitte der 1980er Jahre bis heute belegt die gute Wohn- und Lebensqualität.

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